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Abseits der ausgetretenen Pfade – Eine Reise zu den weniger bekannten Safarischätzen Sambias

Posted on 29th January 2026

 

Aus Mark Hathaways Reisetagebuch

 

Sambia ist zwar weniger bekannt als die gängigen Safari-Reiseziele wie Kenia oder Südafrika, gilt unter Safari-Kennern jedoch seit Langem als eines der besten Safari-Länder Afrikas. Nationalparks wie der South Luangwa blicken auf eine lange und kontinuierliche Geschichte des Naturschutzes sowie auf eine bemerkenswerte Dichte exzellenter Safari-Camps zurück. Hier, im Luangwa-Tal, war der legendäre Norman Carr bereits in den 1950er-Jahren ein Pionier der Fotosafaris – und später auch der Wandersafaris.

Die meisten Besucher Sambias konzentrieren sich auf zwei Nationalparks: den South Luangwa und den Lower Zambezi. Beide bieten zweifellos herausragende Wildbeobachtungen, und wir würden sie ohne Zögern empfehlen. Bei meinem Besuch im vergangenen November wollte ich jedoch bewusst andere Wege gehen und zwei der weniger bekannten Safariparks Sambias erkunden: den Kafue-Nationalpark und die Liuwa Plains.

Sambia grenzt im Süden an Botswana, Simbabwe und Namibia sowie im Norden an Tansania und ist vergleichsweise gut erreichbar. Die Hauptstadt Lusaka wird von zahlreichen internationalen Fluggesellschaften angeflogen, zudem gibt es Direktflüge von Johannesburg nach Lusaka und Livingstone. Alternativ lässt sich Livingstone auch bequem auf dem Landweg von Kasane in Botswana oder von Victoria Falls erreichen.

 

Mein Abenteuer begann in Lusaka, dem Haupt-Einreiseort für internationale Besucher. Die erste Nacht verbrachte ich im Latitude 15, einem meiner absoluten Lieblings-Boutiquehotels in Afrika. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker allerdings bereits um 4:30 Uhr, denn um 6 Uhr stand ein privater Charterflug zu meinem ersten Ziel an – dem Kafue-Nationalpark. Doch das Wetter hatte andere Pläne … dazu später mehr.

Der Kafue-Nationalpark ist riesig. Mit einer Fläche von rund 22.400 Quadratkilometern ist er der größte Nationalpark Sambias und in etwa mit Wales oder dem US-Bundesstaat Massachusetts vergleichbar. Er ist mehr als doppelt so groß wie der bekanntere South Luangwa, wird jedoch von deutlich weniger Besuchern frequentiert.

Dank seiner landschaftlichen Vielfalt und artenreichen Tierwelt bietet dieser oft unterschätzte Park enormes Safari-Potenzial – man könnte problemlos eine gesamte Safari hier verbringen. Zwar gibt es Gebiete, die in der Vergangenheit stark unter Wilderei gelitten haben und in denen die Tierdichte geringer ist, doch andere Regionen profitieren von jahrzehntelanger Naturschutzarbeit engagierter Camp-Betreiber. Dort ist die Wildbeobachtung heute so gut, dass sie sich durchaus mit bekannten Safariparks messen kann.

Im Jahr 2022 übernahm African Parks, eine gemeinnützige Naturschutzorganisation, die Verwaltung des Kafue-Nationalparks. Seither wurden Straßen und Infrastruktur verbessert sowie regelmäßige Anti-Wilderer-Patrouillen zu Fuß und per Hubschrauber eingeführt – mit einem deutlichen Rückgang der Wilderei als Ergebnis.

 

Ein weiteres Highlight sind die kleinen, unabhängigen und inhabergeführten Buschcamps innerhalb des Parks, die für ihr exzellentes Guiding und ihren sehr persönlichen Service bekannt sind. Ein Paradebeispiel dafür ist das dynamische Guide-Duo Tyrone McKeith und Phil Jeffrey, Eigentümer des kleinen Musekese Camps im Norden des Parks sowie des saisonalen Ntemwa Busanga Camps in den spektakulären Busanga-Ebenen. Durch ihre leidenschaftliche Naturschutz- und Anti-Wilderer-Arbeit haben sie die Region rund um Musekese in ein florierendes Wildtiergebiet verwandelt. Auf dieser Reise waren sie unsere Gastgeber – und das Busanga Camp sollte eigentlich unser Ziel an diesem frühen Morgenflug sein.

 

Als wir am Flughafen in Lusaka ankamen, traf ich den Rest der Gruppe sowie Tyrone, der trotz der frühen Stunde voller Energie und guter Laune war. Leider hatte er auch schlechte Nachrichten für uns – eine Erinnerung daran, wie schnell sich Pläne in Afrika ändern können.

Der ungewöhnlich frühe Beginn der Regenzeit und ein heftiger Sturm hatten die einzige Landebahn in den Busanga Plains weggespült, sodass eine Landung dort unmöglich war. Die Busanga-Ebene ist extrem abgelegen und von Lusaka aus ausschließlich per Flugzeug erreichbar.

Das Musekese Camp wäre die perfekte Alternative gewesen, da es über Land erreichbar ist – doch leider war es ausgebucht. Ganz im afrikanischen Stil entwickelte Tyrone also kurzfristig einen neuen Plan, was angesichts der kleinen Campgrößen und begrenzten Verfügbarkeit keine leichte Aufgabe war.

Nach einer Nacht in einem anderen Camp und mehreren längeren Straßentransfers erreichten wir schließlich die wunderschön gelegene KaingU Lodge. Mit nur sechs Zeltzimmern direkt am Kafue River ist sie klein, intim und wunderbar eingebettet in die Natur. Der letzte Abschnitt der Anreise erfolgt per Boot über den Fluss – eine wahrhaft magische Art, anzukommen. Begrüßt wurden wir von den Miteigentümern und langjährigen Gastgebern Gil und Julia. Gil verfügt über ein beeindruckendes Wissen über Kafue und seine Tierwelt, und ihre Leidenschaft für den Park ist in jedem Gespräch spürbar.

Der Wildbestand in diesem Teil des Parks ist geringer als weiter nördlich, und der anhaltende Regen erschwerte die Pirschfahrten zusätzlich. Wir sahen vergleichsweise wenig Großwild, was sich im Nachhinein jedoch als Glücksfall entpuppte. So konnten wir uns ganz auf das konzentrieren, was diese Region besonders macht: die Bootsfahrten auf dem Kafue River.

 

 

Dieser Flussabschnitt zählt zu den schönsten, die ich je in einem Safaripark erlebt habe – ein Labyrinth aus baumgesäumten Kanälen, durchzogen von Felsen und kleinen Stromschnellen. Besonders die frühen Morgenfahrten waren stimmungsvoll: Nebelschwaden stiegen vom Wasser auf, und es wirkte alle wie eine Szene aus „Der Herr der Ringe”.

Großwild war entlang des Flusses selten, dafür war die Vogelbeobachtung außergewöhnlich. Eisvögel, Bienenfresser und viele weitere Arten begleiteten uns, ebenso wie die seltsam an Babygeschrei erinnernden Rufe des Trompetervogels. In einem Camp wie KaingU ist das Guiding entscheidend  – und glücklicherweise verfügt die Lodge über ein exzellentes Guide-Team. Guides wie David und Israel arbeiten seit vielen Jahren hier und haben diese Landschaft mit ihrem Wissen und ihrer Begeisterung zum Leben erweckt.

KaingU liegt nahe des einzigen Allwetter-Flugplatzes im Kafue-Nationalpark, sodass der Weiterflug zu unserem nächsten Ziel, den Liuwa Plains, problemlos stattfinden konnte. Manch einem scheinen die Busanga Plains in Kafue schon abgelegen zu sein, die Liuwa Plains sind jedoch noch um einiges entlegener!

 

King Lewanika Lodge – Liuwa Plains

 

Der fast schon mythische Liuwa-Plains-Nationalpark liegt im äußersten Westen Sambias und besteht aus einer weiten, scheinbar endlosen Graslandschaft. Die Anreise ist aufwendig und kostspielig, da es keine Linienflüge in diese Region gibt. Das erste permanente Camp, King Lewanika, wurde erst 2017 von Time & Tide eröffnet.

Liuwa ist Heimat der zweitgrößten Gnuwanderung Afrikas. In der Vergangenheit litt der Park jedoch stark unter Ressourcenmangel, Wilderei und Mensch-Wildtier-Konflikten, was sich massiv auf die Tierbestände auswirkte. Berühmtheit erlangte die Löwin „Lady Liuwa“ – tragischerweise als letzte verbliebene Löwin des Parks.

Ohne Löwen übernahmen Hyänen die Rolle der Spitzenprädatoren, und Liuwa wurde bekannt für seine großen, aktiv jagenden Hyänenclans. Doch 2003 übernahm African Parks die Verwaltung des Parks, und in den vergangenen 20 Jahren hat sich diese Wildnis grundlegend gewandelt. Löwen wurden erfolgreich wiederangesiedelt, ebenso Wildhunde und Geparden. Regelmäßige Anti-Wilderer-Patrouillen schützen die Tierwelt, und ein umfassendes Besenderungsprogramm hilft dabei, Raubtiere zu überwachen und umliegende Dörfer frühzeitig zu warnen.

Im Jahr 2025 übernahm Ker & Downey das King Lewanika Camp und integrierte es in seine Kollektion herausragender Camps in Botswana. Mit ihren Marketingressourcen sowie neuen, kostengünstigeren Flugverbindungen von Lusaka aus wird es künftig möglich sein, mehr Reisende für diesen außergewöhnlichen Park zu begeistern.

Schon seit vielen Jahren träumte ich davon, die Liuwa Plains zu erkunden. Als Ker & Downey mich ins King Lewanika einluden, musste ich daher nicht lange überlegen und sagte sofort zu.

 

Unser Flugzeug landete zunächst in der kleinen Stadt Kalabo, von wo aus ein kurzer Hubschrauberflug uns direkt zur Lodge brachte. Der Blick aus der Luft auf die weite Ebene war schlicht überwältigend. Bei der Ankunft wurden wir vom gesamten Camp-Team mit Gesang begrüßt und zur Lodge begleitet. Das King Lewanika ist ein kleines, ruhig gelegenes Camp mit nur sechs großzügigen Zeltzimmern und einem weiten Blick über die Ebenen.

Der November markiert traditionell den Beginn der Gnuwanderung. Mit den ersten Regenfällen verlassen die Herden die Wälder und ziehen hinaus auf die offenen Ebenen. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnten wir große Gruppen von Gnus beobachten, die gemeinsam mit Zebras grasten.

In den folgenden Tagen erkundeten wir die Ebenen auf Pirschfahrten und folgten den Spuren von Löwenrudeln, Geparden und großen Hyänenclans. Einmal trafen wir auf Hyänen, die sich an einem Wasserloch ausruhten –  ihre blutigen Mäuler und prallen Bäuche ließen keinen Zweifel daran, dass sie gerade gefressen hatten. Wenig später entdeckten wir einen Gnu-Schädel – alles, was von ihrer Beute übrig geblieben war.

 

 

Ein besonderer Höhepunkt war eine Nacht im sogenannten „Fly Camp“. Unter dem Sternenhimmel zu schlafen, begleitet von den Rufen von Löwen und Hyänen, war ein unvergessliches Erlebnis. Dank unserer bewaffneten Ranger und Guides, die Wache hielten, fühlten wir uns dabei jederzeit sicher.

 

 

Nach drei viel zu kurzen Nächten in den Liuwa Plains ging es schließlich weiter nach Livingstone, von wo aus wir unseren Rückflug antraten. Die Reise durch diese beiden so unterschiedlichen und außergewöhnlichen Safarigebiete wird mir noch viele Jahre in Erinnerung bleiben.