Autorin: Marion Scher (preisgekrönte südafrikanische Journalistin und Autorin)
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Es gibt Reisen, die man macht, weil man sie sich vorgenommen hat – und es gibt jene besonderen, die sich für immer ins Herz einbrennen. Wenn Sie eine Liste solcher Träume führen, wie auch immer Sie sie nennen, dann gehört das Okavango-Delta in der grünen Jahreszeit ganz nach oben. Für mich war es der erste Besuch im Delta. Ich hatte schon viele Safaris erlebt, aber als das kleine Flugzeug sich der schimmernden Landschaft näherte, spürte ich sofort: Dies würde kein gewöhnliches Abenteuer werden. |
Es war November, eine Zeit des Erwachens. Noch vor wenigen Wochen soll das Delta ein staubiger Flickenteppich gewesen sein, trocken und farblos. Doch nun, nach den ersten Regenfällen, die kaum drei Wochen zurücklagen, breitete sich unter mir ein neues Bild aus. Das Land war plötzlich ein Mosaik aus leuchtendem Grün und tiefem Blau. Feinste Wasseradern zogen sich wie frisch geöffnete Lebenslinien durch die Ebene, belebten alte Kanäle und schufen neue Wege, als würde das Delta selbst einen tiefen Atemzug nehmen.
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Natürlich hielt ich sehnsüchtig Ausschau nach meinem ersten Wildtier – und wurde sofort belohnt. Unter mir jagten Rote Lechwe-Antilopen mit spritzenden Hufen durch das durchnässte Schilf. Nicht weit davon entfernt zogen Elefanten gemächlich dahin, Giraffen ästen an jungen Trieben, und kleinere Antilopen und Büffel standen verstreut auf den frisch befeuchteten Ebenen, als wäre die Landschaft ihr persönlicher Festsaal.
Doch was mich am meisten berührte, waren die Neugeborenen. Überall schien neues Leben zu sprießen. Winzige Impalas wackelten unsicher über den Boden, noch fremd in ihren eigenen Beinen. Zwischen den riesigen grauen Körpern ihrer Mütter huschten Elefantenbabys hin und her, flatterten aufgeregt mit den Ohren und versuchten, die Welt zu begreifen. Und nicht weit davon versuchten Zebrafohlen, ihre langen, tollpatschigen Beine in einen halbwegs eleganten Schritt zu verwandeln.
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Für die zahlreichen Nilpferde in der Gegend sind kleine Dämme entstanden – perfekte Orte, um genau das zu tun, was sie am liebsten tun: sich genüsslich im Wasser zu suhlen. Hin und wieder recken sie dabei ein riesiges Gähnen in die Luft – ein Moment, der geradezu nach einem Foto schreit. Wer genau am Wasserufer hinschaut, kann vielleicht sogar ein Krokodil entdecken, das regungslos daliegt und geduldig auf seine Chance wartet.
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Und dann kommt die abendliche Pirschfahrt, die besonders in der grünen Jahreszeit einen ganz eigenen Zauber entfaltet. Vom Platz für den Sundowner aus beobachtet man, wie sich der Himmel von Minute zu Minute verändert. Wenn die Sonne langsam sinkt, beginnt der Horizont zu leuchten – in tiefem Apricot, feurigem Orange, gesäumt von goldenem Licht. Manchmal ziehen mächtige Gewitterwolken heran, die das Licht in zarte Rosa- und Lilatöne tauchen – ein afrikanisches Schauspiel, das man so schnell nicht vergisst.
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Vor diesem Hintergrund ziehen Wasservögel wie Störche, Reiher und Eisvögel knapp über die Wasseroberfläche, ihre Silhouetten heben sich klar vom dramatischen Himmel ab. Ab und zu zuckt ein Blitz in der Ferne auf und kündigt einen Sturm weit draußen an. Dann, fast wie im Vorbeigehen, verschwindet die Sonne. Die Nacht übernimmt den Busch mit ihren vertrauten Geräuschen, und der Himmel füllt sich mit einem Sternenzelt, wie man es nur in Afrika erleben kann. Die Luft kühlt sich leicht ab, und für einige Momente leuchtet das Delta noch sanft im Abendlicht – ein Sonnenuntergang, der sich eher wie ein lebendiges Gemälde anfühlt als wie bloßes Wetter. Und all das war nur der Beginn meiner Reise – ich wusste, es konnte nur noch besser werden. |
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